

Die weissen Herren
Text: Eddie Hofmann Illustration:Rafael Bopp
Der Jazz wurde in New Orleans erfunden, am Anfang doch meistens als Lärm empfunden, von weissen Herren der oberen Schicht, die mochten diesen Krach gar nicht. Da kam der Benny Goodman daher, vom Norden oder Süden ich weiss es nicht mehr. Seine Musik wurde von den Weissen verpöhnt, doch langsam hatte man sich daran gewöhnt. Der Jazz ist heute nicht mehr verbannt und auch bei den weissen Herren anerkannt.
Miles Davis Text and oil-painting: Eddie Hofmann
Miles Davis ging von Haus zu Haus und verkaufte den Leuten Ohrenschmaus. Im Trompetenetui verwahrte er sein Noten, doch an vielen Türen stand für Schwarze verboten. Diese Türen liess er sein und klopfte beim Nachbarn:"Kommen Sie herein". Er öffnete sein Etui aus Ebenholz und zeigte seine Trompete mit berechtigtem Stolz. "Blue notes spiele ich für einen Dollar fünfzig auch Bebopphrasen sind heute sehr günstig. Sehr teuer ist das motherfucking Forte, teurer als das motherfucking Mezzoforte". Diese Motherfuckerei hat den guten Nachbarn verwirrt, "mein bester Herr Davis sie haben sich geirrt. Bebop und blue notes verstehe ich nicht, haben Sie denn kein lyrisches Gedicht?" Betrübt sagte Miles "ich habe es verpfändet", so wurde dieser Besuch erfolglos beendet. Er verliess das Haus und krächzte heiser: "So ein motherfucking Weisser".
Galileo
Text und Collage: Eddie Hofmann
Nach vierhundert Jahren oder so rechfertigte man endlich den Galileo. Nach vierhundert Jahren, man kann es kaum fassen, wurde er nun aus dem Hausarrest entlassen. Verurteilt hatte ihn die Inkvistion, nun endlich erhielt er die Absolution. Das Gericht bestand aus keuschen Kardinälen von solchen die sich selber zu Götter wählen. Er wurde verurteilt gemäss dem Sanctum officium, im Namen Gottes und dem Christentum. Gefangen in seinem Heim trug Galileo sein Joch, doch auf dem Sterbebett flüsterte er: "Und sie dreht sich doch".
Der Kahlköpfige
Text: Eddie Hofmann Illustration:Rafael Bopp
Ein Mann ist mit einem Kahlkopf gesegnet, der wird natürlich nass wenn es auf ihn regnet. Das ist dem Mann nicht sehr bequem, darum hat er ein ausgeklügeltes System. Dicht beim linken Ohr einen Scheitel er zieht und die Haare zum rechten Ohr frisiert. Die Glatze ist verschwunden, ist das Magie? Nein, ganz einfach Robin Hood Ideologie. Den Armen gibt man was man den Reichen entwendet, kein einziges Haar wird dabei verschwendet.
Der Tourist
Text: Eddie Hofmann Collage:Rafael Bopp, Eddie Hofmann
Minoltabewaffnet schlendert er durch die Gassen, den typischen Touristen gibt es bei allen Rassen. Bei den Kinesen, Arabern, Russen und Serbern, Japanern, Holländern, Schweizern und Berbern. Der deutsche Tourist macht am Strande sich breit, Rücksicht zu nehmen ist er nicht bereit. Im Süden schwitzen finnische Touristen, die Schweizer findet man auf eisigen Pisten. Ein Holländer auf der Reise i Pakistan versteht nichts und sagt "kan niet verstaan." Der Russe trinkt Wodka am frühen Morgen, dann hat er bis Abends keine Sorgen. Nach Knoblauch stinken die Franzosen und die Bayern reisen in Lederhosen. Sonnenbrillengetarnt und souvenierbestückt jagt der Tourist durch Länder wie verrückt. Staunend begafft er Sehenswürdigkeiten, doch manchmal gibt es Schwierigkeiten, wenn zuviele Touristen vor der Aussicht drängen und die Aussicht auf die Aussicht beengen. Muss er auf die Aussicht zu lange warten, kauft er sie in der Form von Ansichtskarten. Die schickt er nach Hause dann per Post, nach Süd oder Nord oder West oder Ost. So zu reisen war ja ganz nett, doch heute surft man per Internet. Man liegt zu Hause in seinem Bett und reist ganz einfach per Internet. Kein beengten Aussichten mehr, virtuelle Reisen ans Mittelmeer. Und bist du bleich brauchst du dich nicht zu schämen, das wird behoben mit selftanning krämen.
Der Fette
Text: Eddie Hofmann Illustration:Rafael Bopp
Saufend und Fressend vor dem Fernsehn sitzt er. Furzend und Rülpsend und vor Anstrengung schwitzt er. Sport zu betreiben ist ihm zuwieder, denn das geht ihm nämlich in die Glieder. Dieser Mensch ist zwar sehr nett, doch leider, leider viel zu fett.
Der Tamile
Text: Eddie Hofmann Illustration:Rafael Bopp
Ein Tamile mit genagelten Schuhen will so tun wie die Schweizer tuen. Im Bahnhof geht er immer ohne Schuhe, denn da gibt es Schilder die verordnen Ruhe. Mit "Geleise" sind die Schilder beschriftet und unser Tamile fühlt sich verpflichtet, die Ruhe im Bahnhof nicht zu stören und die biederen Schweizer nicht zu empören.
Was wotsch
Text und Collage:Rafael Bopp

Frage an einen Wirtschaftsexperten
Text und Illustration:Rafael Bopp
Wie könnte man die Arbeitslosenzahl senken? Einen kleinen Moment nur, lasst mich denken. Ah, ich hab die Lösung schon gefunden, so kann unser Land gesunden. Produziert Halstücher für Giraffen und ihr werdet Millionen Arbeitsplätze schaffen.
Der Neandertaler
Text und computeranimation: Eddie Hofmann
Vor kurzem hatte erv die Höhle verlassen, jetzt fährt er Ferrari, kannst du es fassen. Die Keule hat er mit dem Lenkrad vertauscht, und sechshundert Pferde haben ihn berauscht. Am Steuer sitzt er mit fettem Wanst, versuche ihn zu überholen wenn du kannst. Neben ihm sitzt seine üppige Konkubine, eine wasserstoffsuperoxidierte Blondine. Unter der Haube brummt er mit zwölf Zylindern, dreiste dich nicht beim Überholen ihn zu hindern. Dann wirst du in den Strassengraben gedrängt, sein Neandertalgehirn ist nämlich sehr beschränkt. Die moderne Technik ist absolut vollkommen, doch auf sein Gehirn wurde keine Rücksicht genommen. Auch wenn die Technik Fortschritte macht, nimmt man leider nicht in Betracht, dass der Mensch, auch wenn es dich stört, in die Höhle die er verliess eigentlich hingehört.
Der Wolkenfänger
Text und Illustration:Rafael Bopp
Jeden Morgen legt er sich auf die Lauer, heut jedoch ist der Himmel blau. Nirgendswo auch nur ein Schauer, bemerkt der aufmerksame Jäger schlau. Seit vielen Jahren schon arbeitet er geduldig, der Erfolg jedoch bleibt ihm stets versagt. Das Firmament ist ihm seit je her was schuldig, so wird das Glück halt eben vertagt. Einmal wird es ihm schon gelingen, die weissen Riesen in die Knie zu zwingen. Und hat er erstmal eine Wolke gefangen, dann stehen die Leute in endlosen Schlangen. Und all diese Leute werden sich raufen, um bei ihm eine Wolke zu kaufen. So bleibt der Wolkenfänger guten Mutes, denn er weiss ja er tut was Gutes. Und im Übrigen ist er stolz auf seinen Beruf, den er nämlich selbst erschuf.
Ritter Klaus
Text und Collage:Rafael Bopp
So sehr er sich dagegen stemmte, Ritter Klausens Rüstung klemmte. Panik erfasste ihn mit ganzer Macht, also entschloss er sich noch in dieser Nacht und unter starkem Fluchen, einen Psychiater aufzusuchen. Dem Psychiater gelang es zwar nicht, ihn zu befreien von der eisernen Schicht. Doch half er ihm in seelischen Bereichen, er half ihm seiner Panik zu entweichen. Der Psychiater verdient den grössten Respekt, er hat eine neue Form der Angst entdeckt. Heute ist das Syndrom allen bekannt, Klaustrophobie wird es genannt.
Text: Eddie Hofmann
Ein Loch ging zum Einkauf in die Stadt, ein Loch zu sein das war es satt. Ein Loch konnte nämlich niemand sehen, das grämte das Loch man kann es verstehen. Es kaufte beim Schneider eine Kluft und ein Parfüm mit einem sensuellen Duft. Stolz spaziert das Loch jetzt herum, die Leute drehen sich erstaunt herum. Denn sowas hat man noch nie gesehen, ein Anzug ohne was drin, man kann sie verstehen.